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Warten!



Warten!

Wenn ich fürs Warten mit Schlauheit bezahlt werden würde, wäre die Prüfung im März auf jeden Fall kein Problem.

Wir warten seit 3 Monaten auf das neue Blutergebnis aus der Genetik. So lange sollte es in etwa dauern. Seit die Frist um ist, kann ich nicht mehr ruhig sitzen, das Herz schlägt bei jedem Telefonklingeln bis in die Haarspitzen und rutscht dann zu einem enttäuschten Knäuel mutierten Sack in die Magengegend wenn mal wieder „nur“ die Nummer des besten Freundes meines Sohnes auf dem Display blinkt. Dann lacht das Telefon mich aus: „Hahaha, du Dummi, hast du wirklich gedacht jetzt wär es soweit?“

Ich aktualisiere alle 5 Minuten (wirklich, es ist krank) meinen Emailaccount und halte Ausschau nach dem Postboten. Ich schaffe gerade mal die 3 Minuten SOS Mediation um die in ein Amoklauf ähnliches Massaker geratenen Gedanken zu bändigen aber die Wirkung hält dann auch nur maximal drei Minuten. So ist das eigentlich nicht gedacht.

Und das alles obwohl ich doch eigentlich genau weiß, dass sich nicht großartig irgendetwas ändern wird wenn wir ein Ergebnis haben. Die Chance, dass etwas gefunden wird ist ziemlich gering. Und dabei lechze ich nach einer Eindeutigkeit wie der Erfinder des Videoschiris.

Dieses kleine Hintertürchen mit der Hypothese sie könnte es nicht haben, verschafft mir keine Hoffnung sondern ist zu einer Belastung geworden. Das Hintertürchen von dem die Ärztin behauptet, dass es gar nicht existiert. Ich könnte mich ja auch eigentlich einfach mal danach richten aber dann hör ich wieder aus allen Ecken „ sie sieht doch was!“ und dann macht sie alles so toll und wir sind so an ihre Auffälligkeiten gewöhnt, dass uns die ganzen eindeutigen Symptome nicht mehr auffallen und dann kommt man wieder ins Zweifeln. Ist es übertrieben jetzt mit dem Blindenstocktraining anzufangen, ihr ein Blindenabzeichen anzustecken, sie in eine heilpädagogische Kindergartengruppe zu stecken und muss sie auf die Schule für blinde und sehbehinderte Kinder gehen, Braille-Schrift lernen? Entscheiden wir das jetzt? Wann fängt man damit an? Wieviel Samthandschuh braucht sie, brauchen wir?

Dann sagen die einen: „so normal wie möglich ist am besten!“ und die anderen: „je mehr Förderung desto besser!“ Und die nächsten: „alles was sie als Kind lernt muss sie sich nicht mehr als Erwachsene aneignen!“

Und dann google ich wieder und lese Sätze wie: „Spätestens im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt kommt es zur vollständigen Erblindung.“ Und dann ist es ja eigentlich total klar. Aber dann schaue ich mein Kind an und denke: neeeee, muss ja nicht! Toll Wurst. Verdrängung galore, ich weiß es doch, und trotzdem!

Entgegen meiner Natur, Ärzten nicht auf die Nerven zu gehen, habe ich eben im genetischen Institut in Tübingen angerufen. „Die Untersuchungen müssen noch ausgewertet werden. Sie haben ein Genom und ein Trio gemacht, da dauert es länger.“

Achso. Gut zu wissen. Danke.

Hilft es? Nein! Verdammt.

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